Praxisleitfaden · Architektur & Spezifikation

Leistungsphasen von Architekten: Wann Produktspezifikationen noch offen sind.

Die HOAI strukturiert das Leistungsbild Gebäude und Innenräume in neun Leistungsphasen. Für den Objektvertrieb ist entscheidend, welche Unterlagen entstehen, wer beteiligt ist und wann eine technische Lösung tatsächlich festgelegt wird.

01 · Kurzantwort

Neun Leistungsphasen strukturieren Planung, Vergabe und Betreuung.

Für Gebäude und Innenräume nennt § 34 HOAI neun Leistungsphasen: Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Vorbereitung der Vergabe, Mitwirkung bei der Vergabe, Objektüberwachung und Objektbetreuung. Anlage 10 beschreibt die jeweiligen Grundleistungen.

Die Leistungsphasen sind ein Planungs- und Honorarrahmen. Sie sind keine automatische Antwort auf die Vertriebsfrage „Ist die Produktspezifikation noch offen?“. Architektur, Fachplanung, Betreiber, Bauherr und ausführende Unternehmen können Entscheidungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten treffen.

02 · Leistungsbild

Die Leistungsphasen des Architekten im Überblick.

LeistungsphaseTypische Bedeutung für Information und Vertrieb
LPH 1 · GrundlagenermittlungAufgabenstellung, Vorgaben und Untersuchungsbedarf werden geklärt. Produktdetails sind meist noch offen, der Bedarf kann aber unscharf sein.
LPH 2 · VorplanungPlanungsgrundlagen, Varianten, erste Kostenschätzung und Abstimmungen verdichten das Konzept. Frühe Beratung kann hohen Wert haben.
LPH 3 · EntwurfsplanungWesentliche Zusammenhänge und Beiträge fachlich Beteiligter werden zu einem abgestimmten Entwurf integriert. Systemanforderungen werden konkreter.
LPH 4 · GenehmigungsplanungGenehmigungsrelevante Unterlagen werden erarbeitet und eingereicht. Nicht genehmigungsrelevante Produktdetails können weiterhin offen sein.
LPH 5 · AusführungsplanungDie Lösung wird mit ausführungsnotwendigen Einzelangaben detailliert. Schnittstellen und Fabrikatsanforderungen schließen sich zunehmend.
LPH 6 · Vorbereitung der VergabeMengen und Leistungsbeschreibungen werden für die Vergabe zusammengestellt. Relevanz hängt davon ab, ob funktional oder produktspezifisch beschrieben wird.
LPH 7 · Mitwirkung bei der VergabeAngebote werden eingeholt, geprüft und verglichen. Beratung ist meist reaktiv; offene Gleichwertigkeit kann dennoch Chancen schaffen.
LPH 8 · ObjektüberwachungAusführung, Termine, Abnahmen und Dokumentation stehen im Fokus. Änderungen entstehen vor allem aus Koordination, Mängeln oder Verfügbarkeit.
LPH 9 · ObjektbetreuungMängelbeseitigung und spätere Beurteilung des Objekts werden begleitet. Service, Nachrüstung und Betreiberbeziehung rücken in den Vordergrund.

Diese Kurzfassung ersetzt weder den offiziellen Wortlaut der HOAI noch die Prüfung des konkreten Architektenvertrags. Einzelne Grundleistungen, Fachplanungsbilder und besondere Leistungen müssen projektspezifisch betrachtet werden.

03 · Spezifikation

Wann welcher Vertriebsbeitrag nützlich sein kann.

LPH 1–2: Anforderungen und Varianten prägen

In Grundlagenermittlung und Vorplanung kann der Hersteller helfen, Betreiberanforderungen, Lebenszyklus, Schnittstellen und realistische Systemvarianten zu strukturieren. Der Vertriebsbeitrag muss fachlichen Nutzen liefern; ein früher Produktpitch ohne gesicherten Projektfit belastet die Planung.

LPH 3–5: Lösung und Schnittstellen absichern

Entwurfs- und Ausführungsplanung sind häufig das Kernfenster für Systemberatung, Bemusterung, technische Nachweise und Integrationsfragen. Ob ein Fabrikat schon feststeht, lässt sich aber nicht aus „LPH 3“ oder „LPH 5“ allein ableiten.

LPH 6–7: Ausschreibungsfähigkeit und Gleichwertigkeit

Bei Vorbereitung und Mitwirkung der Vergabe sind Anforderungen meist weit fortgeschritten. Relevant werden belastbare Leistungsdaten, Ausschreibungstexte, Alternativen und die saubere Bewertung von Gleichwertigkeit – nicht die nachträgliche Neuerfindung des Konzepts.

LPH 8–9: Ausführung, Betrieb und Folgegeschäft

In Bau und Betreuung können Verfügbarkeit, Koordination, Mängel, Wartung oder spätere Standardisierung neue Anlässe schaffen. Diese Chancen unterscheiden sich grundlegend von früher Projektakquise und sollten im CRM nicht vermischt werden.

04 · Buying Center

Architektur ist zentral – aber selten die einzige Zielrolle.

Technische Produktsysteme werden oft durch mehrere Rollen beeinflusst: Bauherr und Betreiber definieren Ziele, Architektur integriert die Gesamtplanung, Fachplanung konkretisiert technische Anforderungen, Projektsteuerung koordiniert Termine und Kosten, Generalunternehmer oder ausführendes Gewerk beschaffen und realisieren.

  1. Bauherr: Budget, Standard, Nutzung und Risikobereitschaft.
  2. Betreiber: Prozesse, Service, Zugänge, Lebenszyklus und Skalierung.
  3. Architektur: Integration in Entwurf, Details und Leistungsbeschreibung.
  4. Fachplanung: technische Dimensionierung, Schnittstellen und Normanforderungen.
  5. GU und Ausführung: Einkauf, Bauablauf, Montage, Gleichwertigkeit und Gewährleistung.

Die öffentlich auffindbare Person ist deshalb nicht automatisch der richtige Ansprechpartner. Eine belastbare Recherche trennt Organisation, Rolle, Person und Kontaktkanal.

05 · Prüflogik

Fünf Fragen verhindern falsches Timing.

  1. Welche Leistungsphase oder welcher konkrete Planungsstand ist belegt – und von wann?
  2. Welche Fachplanung läuft parallel und wie weit ist sie?
  3. Welche Produkteigenschaft oder Schnittstelle ist nachweislich noch offen?
  4. Wer entscheidet, wer plant und wer beschafft im konkreten Vergabemodell?
  5. Welcher nächste Schritt liefert der Zielrolle fachlichen Nutzen?

Der übergeordnete Projektstatus lässt sich im Leitfaden zu Projektphasen und Bauphaseneinordnen. Wie Quellen, Beteiligte und Änderungen zusammengeführt werden, beschreibt der Leitfaden zu relevanten Bauvorhaben-Informationen.

06 · Primärquellen

Offizielle Grundlage und Aktualitätsstand.

Grundlage dieser Übersicht sind § 34 und Anlage 10 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Geprüft am 27. August 2026. Für vollständige Leistungsbilder und den jeweils geltenden Wortlaut gelten die amtlichen Veröffentlichungen.

FAQ

Häufige Fragen.

Wie viele Leistungsphasen haben Architekten?

Das Leistungsbild Gebäude und Innenräume ist in § 34 HOAI in neun Leistungsphasen gegliedert – von der Grundlagenermittlung bis zur Objektbetreuung. Der konkrete Auftrag kann einzelne oder mehrere Leistungsphasen umfassen.

In welcher Leistungsphase werden Produkte festgelegt?

Dafür gibt es keine allgemeine Phase. Konzept und Systemanforderungen entstehen häufig in LPH 2 bis 3, detaillierte Lösungen in LPH 5 und Vergabeunterlagen in LPH 6. Je Gewerk, Vergabemodell und Projekt kann die Entscheidung deutlich abweichen.

Ist die Leistungsphase gleichbedeutend mit dem Projektfortschritt?

Nein. Leistungsphase, Genehmigungsstand, Fachplanung, Vergabe und Baufortschritt können auseinanderliegen. Für eine vertriebliche Bewertung müssen deshalb mehrere aktuelle Signale zusammengeführt werden.

Nächster Schritt

Die formale Phase ist nur der Anfang der Bewertung.

Im Potenzial-Check übersetzen wir Ihr Produktsystem in relevante Leistungsstände, Zielrollen und klare Zu-spät-Kriterien.

Eigenes Einflussfenster prüfen